Werner Schemuth

"Urgestein" des Bonner Sports und Glücksfall für den Verein

Werner Schemuth

Werner Schemuth (gestorben 28.05.2004) gehört neben Hermann Henze zu den prägenden Figuren der Vereinsgeschichte: Wie Henze war er lange Jahre Vereinsvorsitzender und kann mit Fug und Recht als Urgestein des Bonner Sports bezeichnet werden - 70 Jahre lang hielt Werner Schemuth "seinem" Verein die Treue, er und Hermann Henze waren ein Tandem, ohne das bei den Schwimm- und Sportfreunden Bonn kaum etwas lief - beiden haben die SSF ihre Stellung nicht nur im Bonner, sondern auch im deutschen Schwimmsport zu verdanken.

Wenige Wochen nach Kriegsende hatten sich die beiden auf dem Sattel ihrer Fahrräder in Dransdorf getroffen; der 16 Jahre ältere Kriegsheimkehrer Henze war auf dem Weg ins Vorgebirge, wo er in der Landwirtschaft arbeitete, Schemuth nahm Kurs auf seine Heimatstadt. Damals beschlossen beide, die SSF Bonn nach den Kriegswirren wiederzubeleben.

Bereits am 2. Juni 1945 fand die erste Zusammenkunft statt, zu der sich 100 Schwimmsportfreunde einfanden. Der Phantasie waren damals kaum Grenzen gesetzt: Das Römerbad musste vom Schlamm befreit werden, bevor es das durch Schläuche heran geleitete Rheinwasser aufnehmen konnte, trainiert wurde auch in Feuerlöschteichen und dem Werksbad der Leichtmetallwerke. Schemuth, der 1941 im Brustschwimmen den 6. Platz bei den deutschen Jugendmeisterschaften belegt hatte, entdeckte nach dem Krieg seine Liebe für den Wasserball und war dort wegen seiner Wurfkraft gefürchtet.

1946 wurde Werner Schemuth zum Jugendwart des Vereins gewählt und 1957 zum stellvertretenden Vorsitzenden. Ganz wichtig für ihn war nicht nur der Vereinssport, sondern auch die Geselligkeit: 1977 etwa verpflichtete Schemuth Bandleader James Last für die berühmt-berüchtigte SSF-Karnevalssitzung "Neptuns Reich" und anschließend auch noch für den Rosenmontagszug - damals war das eine kleine Sensation.

Rückendeckung und Unterstützung fand Schemuth beim fianzkräftigen Vereinspräsidenten Hans Riegel, der bei der Firma Haribo auch sein Arbeitgeber war. Das Verhältnis zwischen Riegel und seinem langjährigen Werbechef Schemuth wurde zum Glücksfall für den Bonner Sport: Der Unternehmer ließ große Summen in den Verein fließen, ohne seine Leistungen publik zu machen. Deutsche Meister im Badminton, Volleyball und Schwimmen hätte es ohne Riegels Geld und Schemuths Vereinsführung (von 1989 bis 1993 als Vorsitzender) wohl kaum gegeben.