Hermann Henze

Treibende Kraft und unermüdlicher "Macher" hinter den Kulissen

Hermann Henze

Über Jahrzehnte war er einer der wichtigsten Männer im Verein: Als Trainer, Vereinsvorsitzender und "Macher" hinter den Kulissen wirkte der im März 2004 verstorbene Hermann hHenze unermüdlich für die Schwimm- und Sportfreunde Bonn. Hermann Henze hat den Verein mehr als vier Jahrzehnte geführt - ein Rückblick auf sein Leben ist ein Rückblick nicht nur auf die Bonner, sondern auch die deutsche Schwimmsportgeschichte.

Hermann Henze wirkte zunächst als Trainer und Sportlicher Leiter im Bonner Schwimmverein; die Erinnerung an ihn ist mit den schönsten Erfolgen des deutschen Schwimmsports verknüpft. In seinem Trainerleben war der 14. August 1936 ein Höhepunkt: Leni Lohmar, die von ihm betreute Aktive, gewann bei den Olympischen Spielen 1936 mit der 4x100 m Freistil-Staffel die Silbermedaille. (1939 übrigens wurde aus der ehemaligen Aktiven seine Ehefrau.)

Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sollte Hermann Henze Meilensteine für den Bonner und den deutschen Schwimmsport setzen: 1948, zwei Jahre nach der Wiederaufnahme des Sportbetriebs (der wegen des nicht vorhandenen Bonner Bades zunächst in Hürth bei Köln ein Ausweichquartier fand) wurde Hermann Henze aufgrund seiner Verdienste zum Ehrenmitglied der Schwimmsportfreunde ernannt. 1950 wählte ihn der Verein zum 1. Vorsitzenden - ein Amt, das er 30 Jahre inne hatte.

Zwischen 1950 und 1960 war Hermann Henze gleichzeitig auch Sportlicher Leiter der Schwimmsportfreunde Bonn. In diesem Zeitraum erschwammen die SSF Bonn mehr als 40 Deutsche Meisterschaften. Er brachte es fertig, dass Gisela Jakob-Arendt, die von Berlin nach Bonn gewechselt war, 1952 nach 16 Jahren zum zweitenmal an den Olympischen Spielen in Helsinki teilnahm (erste Teilnahme 1936 in Berlin).

1963 schließlich wurde das Bonner Frankenbad als eins der modernsten Hallenbäder eröffnet. Hermann Henze hatte erheblichen Anteil, dass die Stadt zum damaligen Zeitpunkt neben dem Viktoriabad ein zweites Hallenbad errichtete und der Bonner Schwimmsport damit eine ausgezeichnete Wettkampfstätte erhielt. 1968 wurde mit Gerhard Hetz der erste hauptamtliche Clubtrainer angestellt; Hermann Henze hatte erkannt, dass der Schwimmsport angesichts der vom Club geleisteten kontinuierlichen Aufbauarbeit nicht mehr nur durch "Feierabend-Übungsleiter" sportlich betreut werden konnte.

Dank seines großartigen Sachverstandes kann Hermann Henze ohne Abstriche als "Geburtshelfer" des Kleinkinderschwimmens gelten. Für den Bereich des Deutschen Schwimmverbandes 1961 noch undenkbar waren die SSF Bonn der erste deutsche Schwimmverein, der Schwimmkurse für Kleinkinder anbot. Die ersten Übungsleiter waren die Silbermedaillengewinnerinnen von Berlin, Leni Henze und Gisela Jakob-Arendt.

1967 schließlich wurde mit dem Bau des Sportparks Nord begonnen, wobei sich den SSF Bonn durch eine plötzliche Absackung des Bodens die Möglichkeit eröffnete, ein Schwimmbad in den Bau zu integrieren. Dies erforderte nicht nur eine Eilentscheidung des Stadtrates, sondern auch umfangreiche Planungen innerhalb kürzester Zeit - in einer Zwei-Tage-und-Nacht-Arbeit gelang es Hermann Henze und Hermann Nettersheim all dies (samt Finanzierung!) auf die Beine zu stellen. 1969 konnten die Leistungsschwimmer der SSF ihre Olympiavorbereitungen in der 50-Meter-Halle aufnehmen und mit diesem Zeitpunkt begann die glanzvolle Zeit des Bonner Schwimmsports in den 70er und 80er Jahren.

Als Schwimmwart des Deutschen Schwimmverbandes war Hermann Henze Leiter der deutschen Schwimmmannschaft unter anderem bei den Olympischen Spielen 1968, 1972 und 1976. Bei den Schwimmweltmeisterschaften 1978 in Berlin erklärte er seinen Rücktritt von diesem Amt.

Hermann Henze, ein Vereinsvorsitzender mit einem Weitblick, der in der damaligen Zeit notwendig war, legte mit der Fusion der Volleyballabteilung des KTV-Bonn und des Tanzsportclubs Orion die Grundlage für den heutigen Mehrspartenverein. Zum Verein gehörte für ihn nicht zuletzt aber auch Vereins"leben" - zusammern mit dem damaligen 2. Vorsitzenden des Clubs, Werner Schemuth, initiierte er die weithin bekannten Kostümbälle in der 1958 eröffneten Beethovenhalle - "Buntes Aquarium", "Paradiesvogel" und "Neptuns Reich", das waren gesellschaftliche Ereignisse, an die sich viele der Älteren heute noch gern erinnern.