Der SSF-Vorstand: Unterstützung für die Neuordnung der Bonner Bäderlandschaft und Nein zum Bürgerentscheid

Wie ist der aktuelle Zustand der Bonner Bäderlandschaft?

Seit mehr als 20 Jahren sind die Bonner Bäder immer wieder Gegenstand kommunalpolitischer Diskussionen. Bereits 1992 wollte der Bonner Stadtrat das Freibad Friesdorf („Friesi“) aus finanziellen Gründen schließen. Seit 2000 beschäftigte sich der Rat immer wieder mit einem Bäder-Konzept oder mit der Neuordnung bzw. Fortentwicklung der städtischen Bäder. Teilweise wurden Konzepte beschlossen, die dann jedoch in keinem Fall zur Umsetzung kamen. Mal scheiterte die Umsetzung an finanziellen Zwängen, mal fehlte es an Durchsetzungsstärke und mal veränderte sich die Gewichtung der Argumente für ein beabsichtigtes Vorgehen. Im Ergebnis wurden jedoch nicht mal die Haushaltsansätze ausgeschöpft, die für die Sanierung der Bäder vorhanden waren, weil sich die Verantwortlichen nicht durchringen konnten, ohne mittelfristiges Konzept in einzelne Standorte zu investieren. Die Folge ist ein Sanierungsstau in den Bonner Hallenbädern, der dazu geführt hat, dass das Viktoriabad im Jahre 2010 nicht mehr technisch saniert wurde und seitdem geschlossen ist. Zudem ist das Kurfürstenbad gemäß Beschluss des Bonner Rates vom 22. September 2016 aufgrund gravierender Mängel in der Elektronik, Lüftung und Heizung geschlossen. Bereits 2012 wird im Gutachten zur Perspektivischen Neuordnung der Bonner Bäderlandschaft der Sanierungsbedarf der Bonner Hallenbäder mit 38,38 bis 50,01 Mio. € angeben. In der mittelfristigen Haushaltsplanung der Stadt Bonn stehen bis 2020 insgesamt 26,4, Mio. € für Investitionen in die Bonner Bäder bereit.

Ein Überblick über die Wendungen in der Bonner Bäderdebatte seit 2006 findet sich unter folgendem Link.

Was spricht für den Neubau eines Schwimmbades in Bonn-Dottendorf, was dagegen?

Der geplante Neubau des Schwimmbades in Bonn-Dottendorf ist als Familien- und Sportbad konzipiert. Mit einer Wasserfläche von ca. 2200m2 und zwei separaten Funktionsbereichen bietet es genug Platz für den öffentlichen Badebetrieb und parallel dazu für das Schul- und Vereinsschwimmen. Das neue Bad kann die schwimmsportlichen Funktionen des Frankenbades und des Kurfürstenbades übernehmen. Es wäre das erste Bad in Bonn, das körperbehinderten Menschen den Zugang zum Schwimmen ermöglichen würde. (nähere Infos)

Das Bad wird von Stadtwerken Bonn betrieben. Somit belasten die Investitionskosten und der Betrieb den städtischen Haushalt lediglich indirekt. Die SWB mindern zudem die Betriebskosten des Bades durch die Nutzung steuerlicher Verrechnungsmöglichkeiten sowie der Verbindung zum angrenzenden Heizkraftwerk. Infolge dessen stünden die im städtischen Haushalt eingestellten 26,4 Mio. € für die Sanierung anderer Bäder bereit.

Kritiker bemängeln, dass bislang (Stand 22.02.2017) noch keine belastbaren Informationen zu den notwendigen Investitionen und den voraussichtlichen Betriebskosten vorliegen. Zudem wird kritisiert, dass der Beschluss zum Neubau die Schließung von Kurfürsten- und Frankenbad impliziert, sich damit die Wege für das Schulschwimmen verlängern und nicht mehr jeder Bonner Stadtteil über ein Hallenbad verfügen würde. (nähere Infos)

Was spricht für den Bürgerentscheid zum Kurfürstenbad, was dagegen?

Die Fragestellung des Bürgerentscheids lautet: "Soll das Kurfürstenbad erhalten, wieder nutzbar gemacht und saniert werden?" Der Bürgerentscheid zielt also auf eine langfristige Erhaltung des Kurfürstenbades ab. Gegen den Bürgerentscheid sprechen vor allem die Auswirkungen im Falle eines positiven Votums. Die für das Kurfürstenbad notwendigen Sanierungskosten würden den für Bäder reservierten Haushaltsansatz reduzieren. Die verbleibenden Mittel dürften nur zur Sanierung eines weiteren Hallenbades ausreichen. Im Ergebnis wären neben dem Sportpark Nord ein saniertes, in seinen Funktionen aber nicht wesentlich verbessertes Kurfürstenbad sowie entweder das Hardtberg- oder das Frankenbad weiter verfügbar. Offen ist, ob der Haushaltsansatz auch für eine Sanierung der Beueler Bütt ausreicht.
Die Befürworter der Bürgerentscheids haben ihre Gründe hier zusammengefasst

Warum spricht sich der SSF-Vorstand für den Badneubau aus und empfiehlt, den Bürgerentscheid abzulehnen?

Der SSF-Vorstand hat in erster Linie schwimmsportliche Argumente zu berücksichtigen. Der Badneubau durchbricht den Jahrzehnte währenden Stillstand bei den Bonnern Bädern und stellt sowohl für Familien, als auch für das Schul- und Vereinsschwimmen zusammen mit dem Sportpark Nord, der sanierten Beueler Bütt und dem sanierten Hardtbergbad eine solide Grundlage dar. Zusammen mit den in den Bonner Stadtteilen stark verwurzelten Freibädern bilden diese Hallenbäder eine auch zukünftig finanzierbare und für die Stadt Bonn angemessene Ausstattung mit Bädern.

Der SSF-Vorstand hält es nicht für realistisch, dass Forderungen nach Erhalt und Sanierung von Bädern sowie ggf. dem Bau einen neuen Bades Erfolg haben werden, wenn der dafür notwendige Investitionsbedarf deutlich höher ist als die derzeit im Haushalt verfügbaren 26,4 Mio. €. Unter den derzeitigen Finanzvorgaben ist somit der Badneubau im Zusammenhang mit der Sanierung von Hardtbergbad und Beueler Bütt die beste Option. Der Einstieg in eine erneute Diskussion über die Budgethöhe für die Bäder findet derzeit keine politische Mehrheit und würde wohl zu einer erneuten Verschiebung dringend benötigter Investitionen führen.

Was bedeutet der Badneubau für die SSF, was ein Erfolg der Bürgerinitiative zum Kurfürstenbad?

Ein Badneubau würde für die SSF die Möglichkeit eröffnen, die bislang im Frankenbad ausgetragenen Wettkämpfe dort durchzuführen. Zudem vermindert sich der Druck anderer schwimmsporttreibender Vereine auf die Wasserzeiten im Sportpark Nord. Ein Erfolg der Bürgerinitiative zum Kurfürstenbad führt ohne deutliche Ausweitung des Haushaltsansatzes zu einer geringeren verfügbaren Wasserfläche in Bonner Hallenbädern sowie zum Fehlen einer wettkampftauglichen Schwimmsportstätte.

Lutz Thieme